Aufholjagd bei Künstlicher Intelligenz: Apple will nicht Erster, aber „Bester“ sein.
#Technologie

Aufholjagd bei Künstlicher Intelligenz: Apple will nicht Erster, aber „Bester“ sein.

Author

Murat Örs

Jedes Jahr im September erfreut der Technologiekonzern seine Fans, die sich auch Appleleptiker oder Macianer nennen, bei den jährlichen Produktpräsentationen mit neuen innovativen Errungenschaften. Apple ist bekannt für seine Spitzenprodukte und die beeindruckende Integration von Hard- und Software. Doch während Unternehmen wie Google und Microsoft mit ihren fortschrittlichen KI-Tools die Schlagzeilen dominieren, hinkt Apple in der Entwicklung generativer Künstlicher Intelligenz (KI) hinterher – und das offenbar um mindestens zwei Jahre. In internen Berichten und offiziellen Aussagen deutet der Konzern an, dass er seine KI-Lösungen Schritt für Schritt entwickeln will, aber mit Fokus auf Benutzerfreundlichkeit und Datenschutz. Wie die jüngsten Entwicklungen zeigen, bereitet Apple eine langsame, aber strategische Aufholjagd vor.

Erste Schritte mit Apple Intelligence

In der kommenden Woche soll Apple Intelligence, Apples KI-Plattform, erstmals in den USA an den Start gehen – wenn auch in einer abgespeckten Version und ausschließlich auf Englisch. Ein Start in der EU steht noch in den Sternen. Apple versucht hier einen Spagat zwischen der schnellen Integration mehrerer iOS-Betriebssysteme zu starten, andererseits fehlen zunächst viele der fortgeschrittenen Funktionen, die Apples Konkurrenten bereits bieten. Der Vergleich zu Microsofts OpenAI-basierter Lösung ChatGPT fällt bislang für Apple ernüchternd aus. Interne Studien zeigen, dass ChatGPT 25 Prozent präzisere Antworten gibt und 30 Prozent mehr Fragen beantworten kann als Apples aktuelle KI.

 

Der Hase im Panzer der Schildkröte: Apple könnte schneller sein

Apple könnte technisch durchaus schneller voranschreiten, hält aber bewusst an seinem Ansatz ‚Qualität-vor-Geschwindigkeit‘ fest. In einem Interview mit dem Wall Street Journal betonte Software-Chef Craig Federighi, dass Apple nicht einfach ‚irgendetwas‘ herausbringen wolle. Jede neue Funktion solle zuverlässig und sicher sein, anstatt einen Schnellschuss abzugeben. Die kommende Integration von ChatGPT als Alternative zur Siri-Funktion ist ein gutes Beispiel: Wenn Siri auf eine Frage keine Antwort hat, soll künftig das OpenAI-System einspringen. Apple wird dafür auf die Infrastruktur von OpenAI zurückgreifen – eine pragmatische und kostensparende Lösung, die zeigt, dass Apple in der KI-Entwicklung nicht komplett allein arbeiten muss.

Es gibt jedoch noch einen Schlüsselfaktor, der Apple verlangsamt: Datenschutz. Während die Konkurrenz bereits mit KI-gestützten Bildgeneratoren und Chatbots aufrüstet, betont Apple seine besonderen Standards beim Thema Datenschutz. Mit einer eigenen Serverarchitektur, der sogenannten Private Cloud Compute (PCC), hat Apple eine Lösung entwickelt, bei der Inhalte verschlüsselt bleiben und nicht auf Apples Servern verarbeitet werden müssen. Datenschutz und Benutzerkontrolle bleiben auch im Bereich der KI das Kernthema für Apple – ein Merkmal, das für viele Nutzer ein entscheidender Faktor ist.

 

Zaghafter Start, langfristige Visionen

Zum Start werden die „Writing Tools“ eingeführt, die das Schreiben von E-Mails und Nachrichten erleichtern sollen. Ein weiteres Feature ist die Zusammenfassung von Benachrichtigungen und Nachrichten, um Nutzer zu entlasten. Doch der große ‚Wow-Effekt‘ bleibt zunächst aus. Funktionen wie das intelligente Entfernen von Objekten in Fotos und Comic-basierte Bildgeneratoren, die wohl als ‚Image Playground‘ bekannt werden, folgen später. Diese stufenweise Einführung neuer Features unterstreicht Apples zurückhaltende Strategie: Man versucht, die Funktionen perfekt zu gestalten, bevor sie auf den Markt kommen. Dies hält den Fortschritt jedoch an.

 

Für Apple zählt: Nicht der Erste, aber der Beste sein

Der iPhone-Hersteller hat in der Vergangenheit immer wieder bewiesen, dass das Unternehmen nicht unbedingt als Erster ein neues Produkt oder eine neue Technologie einführen muss, um am Ende eine dominante Marktposition zu erreichen – außer beim Smartphone. Apple-Chef Tim Cook unterstrich jüngst, dass das Ziel nicht darin liege, unbedingt der schnellste Anbieter zu sein, sondern der beste. Mit diesem Ansatz könnte Apple – nach einem zögerlichen Start – am Ende das Rennen um die beste Integration und Nutzerfreundlichkeit doch noch gewinnen.

Das Unternehmen mit Sitz in Kalifornien betritt den Markt für generative KI langsamer als die Konkurrenz, doch das muss also nicht zwangsläufig ein Nachteil sein. Mit einem klaren Fokus auf Datenschutz und sorgfältig entwickelten Funktionen könnte Apple seine Fanbase, die selbsternannten ‚Macianer‘ oder ‚Appleleptiker‘, langfristig weiter überzeugen und – wenn die Integration einmal abgeschlossen ist – die Konkurrenz vielleicht sogar in den Schatten stellen. Für den Moment bleibt Apple jedoch in der KI-Entwicklung ein Nachzügler, dessen langfristige Vision erst noch zeigen wird, ob der „beste“ wird und tatsächlich alle anderen Kontrahenten überholen kann.

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Murat Örs

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