Ein Feuer hat die Produktion im Tata Electronics-Werk im südindischen Hosur, das Teile für Apple liefert, lahmgelegt. Der Vorfall ereignete sich am Wochenende und führt dazu, dass der Standort in Tamil Nadu den Betrieb auf unbestimmte Zeit einstellen muss. Für Apple könnte dies kaum ungünstiger kommen, denn Brancheninsider warnen vor möglichen Engpässen bei iPhone-Bauteilen in der indischen Festtagssaison. Gerade als sich die Nachfrage nach dem iPhone 16 stabilisierte und Analysten eine positive Marktentwicklung prognostizierten, könnte Apple nun gezwungen sein, seine Lieferkette anzupassen und kritische Komponenten aus China oder anderen Regionen zu beziehen. Der Technologieriese hat in den letzten Jahren verstärkt in Indien investiert, um seine Abhängigkeit von China zu verringern, und produziert mittlerweile etwa jedes siebte iPhone, was ungefähr 14 Prozent der Gesamtproduktion entspricht. Letztes Jahr gab ein indischer Minister bekannt, dass Apple plant, rund 25 Prozent aller iPhones in Indien zu fertigen. Dennoch musste das Unternehmen bereits mehrere Rückschläge hinnehmen. Auch an anderen indischen Standorten kam es zuletzt zu ähnlichen Vorfällen, die Apples Lieferketten erschütterten.
Einbruch von 15 Prozent?
Counterpoint Research, ein in Hongkong ansässiges Analysehaus, prognostiziert, dass während der indischen Festtage, die von Ende Oktober bis Anfang November stattfinden, etwa 1.5 Millionen Einheiten der iPhone-Modelle 14 und 15 verkauft werden könnten. Angesichts der aktuellen Produktionsprobleme infolge des Brandes hat Apple jedoch Schwierigkeiten, selbst 15 Prozent dieser Nachfrage zu erfüllen. Neil Shah, Mitbegründer von Counterpoint, betont: „Die Produktion älterer iPhone-Modelle in Indien wird um 10 bis 15 Prozent beeinträchtigt. Um diese Auswirkungen zu minimieren, könnte Apple versuchen, mehr Komponenten zu importieren und zusätzliche Exportbestände nach Indien umzuleiten.“ Zusätzlich zu den lokalen Verkäufen hat Tata, einer der größten Mischkonzerne Indiens, im vergangenen Jahr bis zum 31. August iPhones im Wert von über $250 Millionen in die Niederlande und die USA sowie Teile nach China exportiert, wie aus Zolldaten hervorgeht. Normalerweise halten Apple-Zulieferer einen Lagerbestand von wichtigen Bauteilen für drei bis vier Wochen. Eine Insiderquelle schätzt jedoch, dass Apple einen Vorrat für bis zu acht Wochen hat, sodass kurzfristig keine signifikanten Auswirkungen auf die Verfügbarkeit der iPhones zu erwarten sind.
Auch iPhone-16-Komponenten betroffen
Die vom Brand betroffene Fabrik in Tamil Nadu stellt auch Komponenten des neuesten iPhone-Modells 16 her, insbesondere Hüllen. Die Nachfrage nach diesem Modell hatte sich zuletzt erholt. Zu Beginn des Marktstarts im September hatten einige Analysten die anfänglich kurzen Lieferzeiten als besorgniserregend interpretiert, da sie auf eine niedrige Nachfrage hinweisen könnten. Die durchschnittliche Lieferzeit für das iPhone 16 Pro betrug 14 Tage, was weniger ist als die 24 Tage für das iPhone 15 Pro im Vorjahr, während die Lieferzeit für das iPhone 16 Pro Max bei 19 Tagen im Vergleich zu 32 Tagen im Vorjahr lag. Inzwischen zeigen die Daten eine leichte Erholung. Morgan Stanley berichtete von einer Verlängerung der Lieferzeiten um zwei bis drei Tage, ähnlich wie bei den Spitzenmodellen iPhone 12 und 13. „Die verlängerten Lieferzeiten für das iPhone 16 Pro und Pro Max sehen wir als positives Zeichen“, wird im Bericht der Investment-Bank hervorgehoben. Auch Analysten von J.P. Morgan berichteten von stabileren Lieferzeiten bei den High-End-Modellen und betonten, dass sich die anfänglich schwächere Nachfrage durch die bevorstehende Einführung von "Apple Intelligence" korrigieren könnte. Diese neue generative KI-Software, die voraussichtlich mit iOS 18.1 im Oktober auf den Markt kommt, wird Funktionen wie das Zusammenfassen von E-Mails sowie die Erstellung von Bildern und Videos bieten.
Indien bleibt für Apple eine Herausforderung
Die Vorfälle in Indien häufen sich. Apple hat seine Präsenz in dem Land ausgebaut, um seine Produktion über China hinaus zu diversifizieren, aber im vergangenen Jahr mussten die Zulieferer Foxlink und Pegatron aufgrund mehrerer Brände in Indien ihre Betriebe kurzzeitig schließen. Die Behörden stellten fest, dass ein Großteil der Brandschutzausrüstung in der Foxlink-Fabrik nicht funktionstüchtig war. So soll unter anderem der Rauchmelder nicht aktiviert worden sein und die Feuermelder somit nicht Alarm geschlagen haben. Foxlink verschiffte rund sieben Millionen USB-C-zu-Lightning-Kabel aus Indien und lieferte im Januar 1.6 Millionen Einheiten. Rund 98 Prozent der Exporte waren Kabel. Darüber hinaus waren die Auftragnehmer Wistron und Foxconn in den letzten Jahren von Arbeitsunruhen wie Streiks und Protesten betroffen.
Übrigens: Wir analysieren die Aktie von Apple sowohl im Rahmen unseres TECH33-Pakets als auch unseres US-Titans-Pakets.


